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Henrik Freischlader "5 live" (2008)

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Henrik Freischlader (g, voc) ist mittlerweile sicher den meisten Blues- und Gallagher-Fans bestens bekannt als außergewöhnlich talentierter junger deutscher Blues-/Bluesrock-Gitarrist.

20$ Bill hat bereits zwei Einspielungen seiner Band besprochen und war in beiden Fällen geradezu begeistert von deren Können.

Die vorliegende Einspielung 5 live in the kitchen entstand in einem Projekt mit den vier Musikerkollegen Moritz Fuhrhop (org), Tommy Schneller (sax, voc) Mickey Neher (dr, voc) und Otti Gee (b).


Foto: co.T.Wolke

Die Stücke haben mehr oder weniger deutliche Bluesanteile, gehen aber meist weit darüber hinaus. Stilistisch sind viele der Stücke ein Zwischending zwischen einer Art jazzigem Shufflebeat, soft pulsierendem Boogie und souligem Blues.

Diese Musik ist von großer Könnerschaft aller Beteiligten geprägt.

Sie ist nie vordergründig oder aufdringlich.

Sie ist der Inbegriff dessen, was ich als "laid back" verstehe: Kein cooles Gehabe, sondern dezente Zurückhaltung und trotzdem große Ausdrucksstärke.

Sie ist wie eine Hommage an die alten Meister – Junior Wells, Ray Charles ... – und Traditionen, ein Dienst an der großen Sache.

Man kann sie HÖREN oder auch einfach im Hintergrund laufen lassen.

In beiden Fällen wirkt sie wunderbar entspannt und entspannend, mit manchmal geradezu einschmeichelnder Wirkung.

(Das Album ist übrigens eine Kombi aus einer CD und einer Vinyl-Platte. Das Format ist also wie in alten Zeiten. CD und Platte unterscheiden sich etwas hinsichtlich Titelanzahl und -auswahl. Also gilt hier, den Plattenspieler wieder flott zu machen, falls denn überhaupt noch einer existiert.)

Hier ein paar Eindrücke dieses feinen Albums:

Entspannt swingend geht’s los mit Little by little, dem alten Klassiker des Harp-Meisters aus Chicago und Muddy Waters / Buddy Guy-Mitstreiters Junior Wells:

Kleine elegante Guitar-Licks, schöner Orgel-Background (typischer Hammond-Sound), dezente Sax-„Tupfer“ auf den Punkt, weiche, federnde Drums ... dazwischen die Story, die erzählt wird: „Ooh, ooh, ooh ... Baby, that’s the way I feel ...“

Ein Klassiker und doch ganz eigen gespielt. Jazz-Guitar-Sound würde ich das nennen ähnlich Django Reinhardt.

Steely Dan ähnlich dann How long, ´ne Art slow soul funk wunderbar, die schönen sich abwechselnden Sax- und G-Soli in Call- and Response-Manier.

Eine weitere klasse Nummer: Days alone, ein soft treibender Boogie auf solidem Org-Teppich, schön passend die dezenten, relaxten Voc, mittendrin tolles Sax-Solo und am Ende ein brillantes G-Solo mit immer wieder kleinen kontrastierenden Sax-Licks ... wow!

Noch ein klasse Cover: Spooky, eine alte Dusty Springfield-Nummer, absolut auf Augenhöhe mit meiner bisherigen Lieblingsversion der Atlanta Rhythm Section, nur jazziger ... herrlich der verrückte Text: „Love is kind of crazy with a spooky little girl like you ...“

Swing, swing, swing dann in New love: großartige Sax-Soli, absolut gekonnt schnelles, heißes und zugleich relaxtes Spiel und dann Freischladers Solo: ... ohne Worte.

Bluestime in Drown in my own tears vom guten alten Ray Charles ... Das wird so gekonnt gebracht, daß es mir fast besser gefällt als das Original. Sogar die Voc klingen ähnlich der des Altmeisters ... klasse, klasse, klasse!

Ähnlich geht’s weiter mit Too through with you ... Freischladers Solo: ganz groß! 

Get closer eine Nummer von Henrik Freischlader, wieder ein sehr schöner, warmer Slow-Blues ... mit knappen Gitarren-„Einsprengseln“, einfühlsame Voc- und Sax-Linien, famoses „sparsames“ Gitarren-Solo am Ende ...

Wieder etwas lebhafter wird’s zum Abschluß: Lonely town, eine Art Shuffle, gekonnt gespielt ... bildet den Schlusspunkt eines großartigen Albums!

Fazit:

Dies ist großartige Musik von großartigen Musikern mit dem absolutem Gespür für die Essenz der Songs!!!

Euer Jörg