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Krissy Mathews

"Allen In Reverse" (2009)

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Krissy Matthews – Guitars, Voacals, Harmonica;
Keith Matthews – Bass Guitar;
Chris Sharley – Drums, Percussion, Backing Vocals;
Mike Smith – Keyboards;
Holly Petrie – Backing Vocals

Gehört hatte ich schon mal von ihm, diesem Krissy Matthews, von Bill vor Jahren schon, als er – man kann’s kaum glauben, als Zwölfjähriger! –2004 mit John Mayall jamte (Krissy, nicht Bill), so á la: „Hör Dir den mal an. Du wirst nicht glauben, was Du da hörst von ’nem   ... ja, Kind noch...“

Na ja, erst mal hab’ ich’s nicht gemacht, aber heute weiss ich: Man sollte schon dem nachge-hen, was ausgewiesene Experten (doch, doch, da musst Du Dich nicht zieren, Bill!) empfeh-len, denn, Leute: Über Jahre hinweg habe ich die Crème de la Crème des zeitgenössischen Bluesrock versäumt, denn Krissy weniger als dies zu bescheinigen, hieße, krass zu untertreiben. Und das ist kein Stück übertrieben!

Seit Wochen schon läuft seine „Allen in Reverse“, im Auto vor allem als ideale Road Music (wenn Ihr’s nachmacht, bitte nicht zu laut, denn dann wird’s gefährlich), und ich kam immer wieder drauf zurück und wieder und wieder, und kein Stückchen langweilig wird sie, so gut ist das, was Krissy und seine famose Band da bieten!

Krissy ist ein so ausgezeichneter Techniker, aber das ist noch das Unbedeutendste, was mir so gefällt an ihm, denn das ist, bei dem, was er ansonsten zu bieten hat, ja schon selbstverständlich ...

Mehr noch: Er ist hochgradig phantasievoll, kreativ UND gefühlsbetont in seinem Spiel ...

Er ist – und das in diesem Alter – hochgradig versiert in der Beherrschung aller möglicher Stilvarianten des Bluesrock, in einem Maße, das es einem fast den Atem verschlägt ...

Er weiß – intuitiverweise, denn das kann bei einem Siebzehnjährigen nicht auf Erfahrung beruhen – um den Aufbau, die spannende Gestaltung, die dramaturgische Formung von Songs, wie und in welchem Zeitrahmen man Melodiebögen entwickelt, wie man nach kantigen Powerakkorden herunterschaltet und sie wunderbar konterkariert durch überraschend zarte lyrisch-farbige Interpretationen des Songthemas oder auch kraftvolle Soli auf seiner E-Guitar ...

Das alles ist so unglaublich gut, dass ich nur staunen kann!

Irgendwie erinnert mich Krissy mit seinem Enthusiasmus und Talent und auch durch sein etwas struppiges Äußeres an den jungen Stan Webb und seine Chicken Shack, mit Christine Perfect noch, als ihr Stern aufging, so Ende der 60er Jahre in England ... Stan war da ein bisschen älter und auch unglaublich gut – für mich ist er heute, weil er nie, unberechtigter-weise, ein ganz Großer wurde, der beste „unknown Guitarist“ aller Zeiten ...

Bleibt zu hoffen, dass Krissy das nicht erlebt.

Aber hören wir mal in seine vorliegende Einspielung rein:

Die startet mit dem gleichnamigen „Allen in Reverse“, und wer da der „in Reverse“ Allen, genauer gesagt Johnny Allen war, erfahrt ihr dann – die Experten unter Euch werden’s vielleicht schon wissen – auch: kein geringerer nämlich als Jimi H..

Und dem ist in aller Bescheidenheit dieser Song gewidmet, denn er ist, was kaum überra-schend sein kann, einer seiner – neben anderen! – größten Einflüsse, und es war für Krissy – das muss man sich mal vorstellen bei so `nem jungen Burschen – wie ein innerer Appell ... „and then this biographical song came out about him.“

Mit einem  herrlich kräftigem treibendem Rocker haben wir’s da zu tun, mit farbig-schillern-den Interpretationen an manchen Stellen und tollem Wah Wah-Solo ...

Gleich drauf folgt mit „When Times were hard“ eine Hommage an Robert Johnson (!):

Schwer und schleppend kommt die daher, bleischwer zunächst mit immer gleichen melodi-schen Wechseln, einmündend in eine verzerrte, sich immer weiter ausdehnende heiße und schräge Improvisation, immer weiter, hinein in eine kochende Spannung, die zunehmend quälender wird, bis es endlich wiedergefunden ist: das erlösende Main-Riff, das dann wieder und wieder wiederholt wird zu wie in Stein gemeißelten Textzeilen, die sich drehen um das mysteriöse Dasein der früh verblichenen Legende: „Oh, in that Mississippi, where Times were hard, where Times were hard“ ... Oustanding!

Und mit „Iceman“ zollt Krissy gleich darauf einem weiteren der ganz Großen Tribut, the iceman himself, Albert Collins, und es ist eine Art orgelbasierter funky Shuffle, den er uns hier präsentiert, und das so phantasievoll und gut, dass er sogar mir als ausgewiesem Funk-Gegner gefällt, sehr sogar gefällt, was einzig und allein den Künsten des Krissy Matthews zuzuschreiben ist und nichts anderem!

Und dann, Leute, kommt Knaller auf Knaller, einer besser als der andere:

Treibender dichter Bluesrock mit „What more could you want – Part 2“ – mit ein, zwei anderen die Perle der Perlen dieses Schatzkästchens: Die Wechsel zwischen den virtuosen und locker rausgehauenen, kräftigen Licks rund um das Songthema und dem Slow down in den Improvisationsparts, dem Anziehen dann wieder ... das ist absolut mitreissend.

„Last young Love“ ist balladesker Slow Blues mit Country Touch, formidabel, grandios gespielt, Gänsehaut kommt auf bei den Vocals, die Krissy und Holly Petrie im Wechsel besorgen ... sehr einnehmend, berührend ...

„Lonely on the Road“ ist schnörkellos gespielter Rock&Roll, super gebracht und für Freun-de des Genres sicher ein Sahnestückchen.

Dann wird „What more could you want“ wieder aufgenommen, diesmal “Part 1” (warum Part 1 nach Part 2, weiss kein Mensch oder nur ich nicht), diesmal mit etwas verändertem Groove, mehr Harp betont, die Krissy ebenfalls meisterlich beherrscht ... anders, aber kein bisschen weniger gut als der Vorgänger.

Und mit „Girl of yesterday“ folgt noch ein sagenhaft guter Song, “written about another girl who was in my life” (unglaublich, er scheint manche Dinge zehnmal schneller als andere zu erleben): heavy, heavy, dramatisches Thema mit herrlichen Wechseln und schönem farbigem Interplay ... und sooo cool ... „Watching out today, Watching the sun going down, Thinking for myself she’s a girl of yesterday ...”

„Stone cold Pizza” dann ist Spaß pur: Dichter heavy Bluesrock ist das mit enormem Drive und schönen Melodiebögen, aufgelockert durch klasse klingende peppige Vocals, die von dramatischen Urlaubsbegebenheiten berichten, von Pizza etwa „like cardboard and cold! And the soft drinks were dead!“ Und tiefer scheint er auch bohren zu können, der Krissy, wenn er uns zum Schluss verrät: „Some people might say there could be two meanings to this song“! (?)

Eine Dedication to BB King bringt Krissy dann mit The Soul will never die“. Mit dem hat er – das kann jetzt nicht mehr richtig überraschen – auch schon gejamt und meinte, ihm einen eigenen Song widmen zu müssen. Und den Blues Boy wird’s sicher gefreut haben, denn ein klasse Song ist er, dieser schwere kantige Boogie Blues, in dem Krissy abermals brillieren kann mit schönen scharfen G-Linien.

Mit John Lee Hookers „Hug you squeeze you“ verbeugt er sich mit Heavy Bluesrock at its best schließlich vor einer weiteren Blueslegende.

Und ein wunderbares „World“, eine berührend vorgetragene filigrane Ballade mit herrlichem Vocals-Duett beschließt dann ein Album, für das ich nur allerhöchstes Lob zollen kann.

Krissy Matthews ist ein außergewöhnlich talentierter Singer/Songwriter und begnadeter Instrumentalist. Bleibt zu hoffen, dass er über die Power und das notwendige Manage-ment (!) verfügt, das dafür sorgt, dass dieser großartige Musiker nicht das Schicksal, anderer teilt und sich dahin entwickelt und bleibt, wo er hingehört: in die erste Reihe der großen Blues- und Bluesrock-Gitarristen !

Euer Jörg

Danke an


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K-h Bilstein