Mark ‘Otis’ Selby guitar, vocals;
Charles ‘Chopper’ Anderson bass;
Daryl ‘DB’Burgess drums, vocals
Live at Harmonie, Bonn, October 23, 2008
Bevor Ihr weiterlest, ist unbedingt folgendes zu erledigen:
Geht in den nächsten CD-Laden oder geht auf die Amazon-Homepage oder zu JPC , erwerbt dort käuflich oben genannte neue Einspielung von Mark Selby, startet zuhause Euren DVD-Player mit derselben drinnen, dreht den Vol-Regler ein gutes Stück nach rechts, hört schon mal ausgiebig rein ..

Für 15 Euro oder was immer ihr bezahlt habt erhaltet ihr ihr werdet’s jetzt nach Eurer Rückkehr beim Hören sicher selbst merken nichts weniger als ein Monument des Blues-rock (!) und das für einen Spottpreis.
Ihr könnt mir glauben, und die, die als Leser hier regelmäßig vertreten sind, wissen’s auch:
Wir kritisieren, wo Kritik auch bei unseren Tipps angemessen ist. Naturgemäß ist eher Lob anzutreffen, selten jedoch Lob in den allerhöchsten Tönen.
Aber nichts anderes ist es, was Mark Selby’s Auftritt im Rockpalast One Night in Bonn angemessen wäre: Einer dieser seltenen, besonderen „One nights“ war es, der ihm und seinen Mannen hier gelungen ist
Und dazu passt nahtlos, was der sympathische Mark musikalisch über sich selbst sagt:

„ Kurz gesagt: Viele meiner Träume sind wahr geworden. Und wirklich, da ist die süße Befriedigung eines gut gemachten Jobs, die Erfüllung, in einer stillen Kammer oder einem erstklassigen Aufnahmestudio aus nichts etwas geschaffen zu haben . Aber dann gibt es auch die magischen Momente: mit einer Gitarre und einer glühenden Band auf die Bühne zu steigen, auf dieser Flutwelle von Stammesenergie zu reiten, die zwischen einer verrückt großartigen Menge und einigen Musiker-Blutsbrüdern fließt, die das tun, was sie am besten können. Das ist der Höhepunkt von allem, was ich sonst in der Musik mache; das ist es, wofür ich lebe und warum ich das tue, was ich tue. Das ist es, wovon wir einen Schnappschuß am 23. Oktober 2008 in Deutschland aufgenommen haben One Night in Bonn.“
Got it?
Jetzt aber mal rein ins Geschehen:
Mark bietet uns einen herrlichen knackigen Mix aus Rock&Roll und Bluesrock mit, zuweilen, Funk-Anleihen, immer im Wechsel mit wunderbar gefühlvoll vorgetragenen (Slow) Blues-Nummern. Er verfügt, genauso wie seine Mitstreiter, über einen warmen, farbigen Sound, der schön kantig-prall, aber nie übermäßig gewaltig oder gar brachial daherkommt … eben genau richtig.
Die Audioqualität ist durchweg gut bis hervorragend (hier gab es beim Rockpalast ja durchaus auch andere Zeiten), jedoch läßt die Kameraarbeit etwas zu wünschen übrig: Entweder wurde aus zu großer Entfernung aufgenommen, meist mit Köpfen der Zuschauer im Bild, oder man ist zu dicht dran, wobei zudem die Wechsel dazwischen oftmals fahrig wirken.
Gerade bei einer solchen Veröffentlichung sollte das besser machbar sein!
Nach kurzer Begrüßung („It’s Bonn, right … Beethoven) starten sie gleich mal fulminant mit dem schönen druckvollen „She’s like Mercury“, auf dem Mark wie bei vielen folgenden Beispielen gleich mal zeigt, wie eindrucksvoll er sliden kann.
Gleich drauf folgt mit „Don’t you throw that Mojo on me“ toller Bluesrock mit Funk-Ein-schlag, der sogar mir ganz im Gegensatz zu sonstigen Ergüssen dieses Genres so was von gut gefällt, eben wegen der großen Könnerschaft von Mark vorneweg, aber auch seiner Kol-legen ... Druckvoll kräftiges Spiel wechselt sich ab mit leisen Slow Parts mit brillanten „Gän-sehaut“-Slide-Passagen ... wow!
Und ähnlich toll geht’s bald drauf weiter in „Baby, I do“, einem lyrischen, launisch-gefühl-vollen Slow Blues voller Ausdruckskraft.
Und auch schöne Balladen hat Mark im Gepäck, wobei vor allem „Blue on black“, das ausnahmsweise nicht von ihm selbst stammt, sondern von Kenny Wayne Shepherd, sehr überzeugen kann mit seinem goldenen Guitar-Sound und dem phantasievollen Solo gegen Ende ...

Top Boogie Bluesrock gibt’s mit „Sure hope it ain’t a Train“, der meinem Geschmack nach sogar ZZ Top noch toppt (!) ...
... und ein betörendes Slide-Intro in „More storms comin’“, das Mark solo vorträgt und so eindrucksvoll ist mit seinen Wechseln zwischen der klirrenden, einsamen Gitarre und den eindringlichen Vocals, dass man sie regelrecht sieht, die durch die Einöde fegenden staubigen Windhosen, und last but not least folgt mit „Leveler Reveler“ noch ein schöner farbiger Rocker als Rausschmeißer ...
Aber eben nicht ganz, denn Boni gibt’s auch noch, in denen Mark zwischen oder während weiterer Songs sehr interessant von sich und seiner Musik erzählt und zeigt, dass er auch auf Steel Guitar ein Könner ist.
Okay, gelobt habe ich sicher jetzt genug, aber dabei, Leute, eher unter- als übertrieben, denn Mark Selby und „Live at Rockpalast“ is great!
Unbedingte Empfehlung daher: kaufen ... und when Mark is in town unbedingt sein Konzert besuchen: Es lohnt sich!
Euer Jörg
Danke an Uwe von 