Mick Taylor gehört für mich zu den ganz großen Gitarristen im Bluesrock.

Mit der vorliegenden DVD, die ein Konzert seiner Band in Tokyo vom Mai 2009 enthält sowie ein Special Feature, in dem Mick ausführlich über seine Entwicklung und Einflüsse berichtet, wird dies nochmals auf außerordentlich eindrucksvolle Art und Weise bestätigt.
Es ist meisterlich, wie im Konzert es Mick Taylor und seine exzellente Band verstehen, Stim-mungen zu erzeugen, unspektakulär dabei, ohne großes Getöse, geradezu beselt zu spielen, berührend ... wie Mick Melodiebögen „ausspielt“, dehnt, mit erneuter Wiederholung, noch mal einer Wiederholung, die sich nur in kleinen, aber eben entscheidenden Nuancen verschie-den sind, um dann im genau richtigen Moment den Wechsel zu setzen, Vocal entweder oder mit einer Reihe souverän rausfließenden Licks, die ihm so niemand nachzumachen vermag, sind sie auch noch so einfach, aber eben so effektvoll und sooooo gut !
Wenn dann noch Mick Taylor das Metallröhrchen zum Einsatz bringt, entstehen magische Momente ... Momente, die berühren und die man nicht mehr vergisst ...

Nur sieben Nummern enthält der Konzertteil der DVD. Die allerdings sind von allererster Güte. Hört sie Euch alle an, durchgehend und ohne Unterbrechung, denn vor allem dann entfalten sie ihre volle Wirkung und an manchen Stellen ihren Zauber:
... das lyrisch-verträumte „Secret Affair“ zu Beginn, so voller Melancholie, aber auch Kraft;
... das soulige „Twisted Affair“, bei dem der Einfluss des virtuosen Max Middleton unüberhör-bar ist, denn diese feine Nummer hätte auch schon auf der genialen Einspielung „Rough and ready“ zu Beginn der siebziger Jahre drauf sein können, als Max in einer der besten Formatio-nen Jeff Becks mitwirkte und für eine Ausdruckskraft sorgte, zu der dieser niemals mehr fähig sein sollte ... hier und heute sorgt er immer noch für locker-souveränen Drive mit seinen dich-ten Piano-Teppich und veredelt die Nummer mit seinen wunderschönen Klangfarben, denen im Vordergrund Mick Taylor, aber auch der gute Denny Newman in Nichts nachstehen;
... „Losing my Faith“, eine Art balladesker Blues, in dem die Jungs es verstehen, ins Musikali-sche zu übersetzen, was das bedeuten kann ...;
Willi Dixons tausendfach gehörtes „You shook me“ und doch klingt dieser Klassiker wie neu, so gut und originell wird der gebracht, vor allem das „Gänsehaut“-Slide-Spiel von Mick Taylor ist oustanding, aber auch Denny Newman weiss in seinem Solo-Part sehr zu gefallen ...;
„Burying Ground“, ohne den kurzzeitig pausierenden Mick, dafür aber reichlich Raum für Denny Newman, sich zu präsentieren, und das macht er sehr gut mit seiner etwas höher und härter und schneidender klingenden Gitarre; ausgiebigem herrlichem Slide-Spiel Mick Taylors in „Blind Willie McTell“, wie allein schon der Name vermuten lässt; und zum Abschluss eine geniale Version von „No Expectations“ aus seiner Stones-Zeit mit herrlich verspieltem filigranem „silbrigem“ Intro, grandios gespielt dann wie ein warmer, nicht enden wollender Strom ... wenn ich da die Augen schließe, sehe ich ihn vor mir, als Zwanzigjährigen im Oakland Coliseum oder Madison Square Garden, schüchtern, und diese unglaublichen Licks spielen ...
Na, da bin ich ja wieder ins Schwärmen geraten, und zugegeben: Ich bin ein großer Mick Taylor-Fan, gerade wegen seinem großen Können UND seiner unprätentiösen Art, aber das vorliegende Set ist in der Tat von bester Qualität, auch wegen des ebenfalls enthaltenen Features: On the Road with Mick Taylor. Das ist eine sehr interessante Mischung aus Interviewteilen mit Mick Taylor, in denen seine Entwicklung und seine Einflüsse thematisiert werden auf seine sehr angenehme zurückhaltende Art, und musikalischen Illustrationen, die ihn alleine zeigen auf der Akkustischen oder mit Band zu verschiedenen Zeiten auf der Bühne: sehr gut gemacht !

Fazit: Mick Taylor Band: „The Tokyo Concert“ kann ich nur wärmstens empfehlen. Es erwartet Euch ein Set allerfeinster Güte !
Euer Jörg
Danke an 