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Timo Gross "Desire" (2008)
Timo Gross: Das sagte mir bis dato wenig. Das jedoch hat sich mit dieser Einspielung schlag-artig geändert! Kurz auf den Punkt gebracht: Ich halte Timo Gross für einen überaus talentierten und interessanten Singer / Songwriter mit der Ausrichtung Bluesrock / Soul!
Ob das nicht übertrieben ist ? Nein, nein. .... Wie ich dazu komme ?
Bitte sehr:
Er ist stilistisch sehr vielfältig, kurzweilig und spannend in der Melodieführung seiner Songs mit schön gesetzten Breaks, immer interessant, packend und neugierig machend auf das Kom-mende.
Er ist ein großartiger Gitarrist sehr professionell, phantasievoll, mit federnd leichtem Klang und Spiel und wechselfähig wie ein Chamäleon von druckvollen Heavy-Riffs bis zu kleinen fein ziselierten barocken Licks, je nach Stimmung oder Thema und verfügt über eine Band mit absoluten Profis an ihren Instrumenten: Frowin Ickler (Bass) und Michael Siegwart (Drums, Percussion) sind viel mehr als nur eine Backing Band.
Darüber hinaus setzt Gross durch eine Reihe von „Guests“ eine große Bandbreite an weiteren Instrumenten ein: Trumpet, Saxes, Piano, Hammond Organ, Clavinet, Backing Vocals.
Die dadurch gegebenen erweiterten Möglichkeiten der Instrumentierung veredeln an vielen Stellen die ansonsten im Kern eher rudimentär gehaltenen Songs:

Saxes and Horn Arrangements z.B. bringen zusätzlich Drive und Farbe ins Spiel, Backing Vocals kontrastieren wunderbar Gross’ Vocals und verstärken das „soulige“ Wesen einiger Stücke, die Hammond Organ liefert zusätzlichen Boden und bringt ergänzend Farbe, Leichtigkeit oder Schwere ins Spiel.
Er verfügt über eine sehr angenehme, starke Blues- und Soul-Stimme, die er perfekt einzusetzen weiß: kraftvoll, aber nicht überpowernd, mal rauher, mal smart, je nach Thema und Stimmung, mit feinen Modulationen hin und wieder, ohne aber an Eigenheit einzubüßen.
(Fast) Alle Stücke zeichnen sich durch feinen, packenden Drive oder Swing aus. Sie sind energiegeladen, laid back, ausgewogen. Und in manchen Momenten wirken sie geradezu beseelt !
Was kann man besseres sagen über einen jungen Musiker ?
Jetzt fällt mir auch ein, an wen Timo Gross mich immer wieder erinnert hat, ohne daß mir der Name einfiel: Robert Cray. Er verfügt auch über diese große Bandbreite an Stilen und Stimmungen und diese lässige Könnerschaft.
Hört Euch nur „Sweet Potatoe Pie“ (1997) an. Wenn Euch „Desire“ gefällt, habt ihr damit gleich noch einen weiteren Tipp.
Weil mir „Desire“ so gut gefällt, hier noch ein paar Anmerkungen zu den einzelnen Stücken, die’s noch mal auf den Punkt bringen sollen (aber durchaus auch ein paar kritische Aspekte beinhalten):
- Es geht gleich los mit dem Titelsong.
„Desire“ ist auch gleich eines der besten Stücke der Einspielung, ein Ohrwurm-Song mit wunderbarem Drive und Swing und einem meisterhaftem G-Solo am Ende.
Er ist inhaltlich der Start in einen Komplex an wie ich es nenne „Devil / Soul / Pain / Release“-Themen, die immer wiederkehren.
Offensichtlich liegt hier ein besonderes Faible von Timo Gross, oder das ist begründet in seinen eigenen, ihn stark beeindruckenden Erfahrungen.
„Desire
Is what I bring to town
This Fire
Turns your whole world upside down
Desire
Is what I bring to town
Come on sweet baby
Don’t drown
We are lost and found”

Da liefert er uns doch gleich schon mal ein bißchen Stoff für’s Oberstübchen, der Timo.
- „Driven Soul“ gleich noch ein Devil / Soul-Thema hinterher und wie schön ausgespielt mit wunderbarer Melodie und schönen Org-Linien und Drums auf den Punkt:
„... Your whole world seem black and shallow
You’ve got the devil on your back
I’m the one for your driven soul ”
... tolles G-Solo am Ende, warm und transparent (“Air-Guitar”) ...
„For your soul
I’ll be the healing man
For your soul
I’ve found the masterplan (!)
For your soul
Well I’m the man
Your healing man”
Hallo Meister, geht’s auch ein bißchen kleiner ? Das hatten wir doch in tausenden Jahren höchstens ein paar mal.
Lieber Timo Gross, bitte bei der nächsten Einspielung mal verraten und wenn’s geht etwas konkreter was es damit auf sich hat, damit wir auch dieser Gnade teilhaftig werden können.
Wohlan denn, vielleicht gibt’s ja noch lukrativere Möglichkeiten als mit Musik Geld zu verdienen.
Dies ist, man hat’s wohl gemerkt, einer meiner wenigen Kritikpunkte an diesem großen Album: diese New Age-artige mystifizierende Selbstüberhebung oder, wenn’s so nicht gemeint ist, der dann offensichtlich etwas sorglose Umgang mit der „Driven Soul“, an sich ein viel zu ernstes, Respekt erforderndes Menschheitsthema, um daraus mal schnell ein packenden Songtext zu zaubern.
Oder wie ist’s sonst zu verstehen ?
- „Voodoo Priest“ ist ein schön-treibender Rocker auf dichtem Orgelgrund mit druckvollen Drums und einem sehr gekonnt eingefügten tollen G-Solo am Ende.
Wieder eine Menge Soul erhalten wir, diesmal aber ausgesprochenermaßen ohne Devil, dafür aber mit einem ausgewachsenen Voodoo-Priester, der sich am Ende des Lebens restlos verlaufen hat:
„He’s the man feeding all of your beasts“.
Stay away !
- „Freedom“: souliger Slow Blues mit einfacher, bezaubernder Melodieführung, schön !
“I am here
By myself all alone
I am clear
There’s no more reason to moan
I get rid of my package
I won’t carry that no more”
That’s the way. Da geht’s lang !
Wie schön die mehrstimmigen weiblichen Backing Vocals, die die etwas rauhen, aber trotz-dem weichen Vocals und herrlichen knappen G-Licks von Gross kontrastieren, alles auf schwebender Orgelbasis ...

- Und slow und soulig geht’s weiter mit „Lighthouse“: swinging, herrliches Melodie-Riff („I’ve been your lighthouse“) mit Ohrwurm-Charakter, sehr sehr schöne „Air-Guitar“, saubere Single Note-Linien ...
- Und wieder diese sehr schöne Melodieführung (voc, p, org) in „Sweet Love“, leicht melancholisch-träumerisch-treibend ...
(Schmerzhafte?) Liebe:
„ ... gimme sweet love
In the middle of the night
Tell me sweet lies
Until the morning light”
- Wieder ne etwas andere Ausrichtung: Aus “That’s all” wird nach feinem Dobro-Intro eine Art Shuffle mit schönen Piano- und Dobro-Akzenten.
- Dann wieder der Böse himself: „Howling Diabolo“
Und immer Schwierigkeiten mit diesem Burschen ...
„I’m your howling diabolo
I got you under my spell
You’d better run and hide
To get me off your mind
To leave it all behind”
Wow, nein, wegrennen werd ich nicht. Dann erwischt’s mich bestimmt erst recht !
Aber was ist das für eine wunderschön swingende Soul-Nummer mit treibenden Drums und feiner Horn-Section, die immer wieder Kontraste setzt zu Gesang und knappen feinen G-Licks.
Fast fühlt man sich in alte Earth, Wind & Fire-Zeiten versetzt.
- Love and pain: „Scary Love“
Erschreckend:
“This scary love
it hurts me all the time
The way you treat me is a crime
And the pain is cuttin’ deeper
Well just the lord knows up above
What I pray”
Mmh aber verpackt in einen schönen, flotten Orgel-getragenen Rocker.
- „American Steel“ ist ein farbiger Country-artiger Rocker.
Hört nur diese kleinen bunten G-Licks und die souligen Vocals (Lead und Backing Voc). Wunderschöner, fröhlicher Song !
- „When you watch the news
And you think that’s not me
Countries burnin’ and people flee
Bearing all misery
Loosing all their goods
People tortured
In the deep of the woods”
Von der Innen- in die Außenwelt: „World on Fire“
... und wieder nach innen:
„Your world is on fire
It’s ringing like a bell
Burning with desire
It’s going down hell”
Feine Lyrik und klasse musikalisch Umsetzung: Das theatralisch anschwellende Hauptthema verbindet sich toll mit dem schwermütigen Text.
- “Some Kind of wonderful”: ach ja, dieses nette Pop-Stückchen, bekannt geworden durch die famosesten Notenquetscher der USA: Grand Funk Railroad (argh!) ...
„Now ist there anybody got a sweet little girl like mine …
Can I get a witness
Some kind of wonderful”
Jou, sehr profunde Botschaft, das !
Was dieses Nümmerchen inmitten all dieser tollen Eigenkompositionen soll, ist mir ein Rätsel.

- Und direkt anschließend: „Northbound“, ein schöner gradliniger Rocker mit feinen Breaks, dazwischenliegenden ruhigen Gesangspassagen auf solider, unaufdringlicher Org-Basis, mit dem Gross beweist, daß man auch einfache tolle Stücke schreiben kann ohne auch nur in die Nähe dieses easy listening, footstomping Sonstwas zu kommen von Leuten, für die „Inside looking out“ einfach bedeutet: Ich kuck aus einem Haus raus aufs nächste und hab schon wieder die nächste Mauer vorm Hirn, glaub aber selbst, ich kuck bis zum unendlichen Meer.
- Und schließlich dann der Abschluß, und was für einer, mit dem herrlichen „Here comes the Blues“, einer flott-fröhlichen Nummer mit einem seltsam dazu im Kontrast stehenden wun-dervollen Text:
„Friday night
Sittin’ here all alone
Out of control
In this life I must have been thrown ...
Tear out my heart and squeeze my soul
I’m ready to leave, yes I’m ready for a roll
Lord please help my soul
To leave this black hole
Here comes the Blues
Comin’ all so strong
Here comes the Blues
And he’s never done me wrong
Here comes the Blues
LAnd he helps me just to carry on”
Wow, was für ein Text, was für ein Blues.
Und endlich, ganz zum Schluß, gibt es auch Antworten oder die Antwort von und für Timo Gross, eine in der zweiten Strophe und eine in der letzten Strophe, wobei beides ja doch eine Antwort ist, wenn man’s richtig durchlebt hat ... und eben wieder aufgestanden ist.
Hut ab, Timo Gross. Das ist eine großartige Einspielung.
Bleibt zu hoffen, dass da nicht mehr Pain geblieben ist als vielleicht notwendig ist, um wei-terhin solche famose Musik zu kreieren.
Liebe Leute, dieses Album kann ich Euch nur wärmstens an Herz legen.
Hört es Euch intensiv an, denn: „Desire“ und Timo Gross ist GROSS !
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