Volkhard Schuster stellt mit dieser Einspielung seine erste Solo-Arbeit vor.
Der Göttinger Gitarrist und Sänger bei Bluesrock- und speziell Gallagher-Anhängern bestens bekannt als feiner Interpret der Werke des irischen Bluesguitar-Maestros RORY GALLAGHER glänzt mit 15 Eigenkompositionen allererster Güteklasse. Sowohl seine instrumentalen Fähigkeiten (guitar, vocals) wie die der gesamten ihn begleitenden Band sind erstklassig bis brillant, ebenso auch die inhaltliche Breite und Qualität seiner Songs.

Noch mehr beindruckt mich die Offenheit und Eindringlichkeit und letztlich die bei aller seiner Zurückhaltung zum Ausdruck kommenden offensichtlichen Stärke, mit der Volkhard scheinbar eigene schmerzliche Lebenserfahrungen, ganz besonders die aus (Liebes-)Beziehungen (Verletzung, Trennung ...), umschreibt, versucht zu erfassen, zu verarbeiten und letztlich zu überwinden. Das alles verdichtet sich in einem Titel, der nicht treffender hätte gewählt werden können: "Pain".
Volkhard Schuster ist ein Mann des Blues, bleibt dem aber nicht verhaftet, sondern präsentiert eine sich von Stück zu Stück, Thema zu Thema, verändernde Melange aus Rock, Blues bis hin zu irisch-keltisch klingender Folkmusik, immer optimal begleitet durch eine sehr gute Rhythmusgruppe (Christian Svenson drums, Rolf Denecke bass) und in der Führungsarbeit ergänzt durch wunderbares Piano- oder Orgelspiel (Udo Krüger keyboard).
Rockige, treibend-positive Nummern wechseln sich ab mit lyrisch-melancholischen Stücken mit zart pulsierendem Drive und dezent-zurückhaltenden, trotzdem ausdrucksstarken Vocals, mal düster-mysteriös, mal bitter-süß und bardenhaft, mal schmerzvoll, aber auch Schmerz überwindend...
Hier ein paar meiner persönlichen Eindrücke dieses überaus gelungenen Albums:
1. Eagle Eyes, das Eröffnungsstück, wird dominiert durch den schönen satten, schwebend-tragenden Keyboardsound, herrliche Melodik, bei der man tatsächlich an einen fliegenden Adler denken kann ... schöne kleine Gitarren-Licks Schusters, wunderbar sein dezenter, absolut gut dazu passender Gesang:
„You really think you’re gonna find the answer
See the world with eagle eyes”
eine vorweggenommene Antwort auch auf pain: Man muß den Standort ändern, sich erheben, um zu anderen Ansätzen zu kommen … wie wahr oft!
2. Eddiebear’s Blues: Pain Trauer um den Verlust des Freundes (?), Eddie:
Eddie’s dead, he was buried today“ feine filigrane Gitarre, mal kleine Einsprengsel, mittendrin längeres Solo, zwischen sanft klagenden Vocals, feine Piano-Untermalung, sparsam die Drums, auf den Punkt … großartig …
3. Ein fein verspieltes Solo-Acusticguitar-Intro in Send my woman packing , dann Übergang in einen dumpf-federnden heavy Sentimental-Mood-Sound: wie passend zum Schmerz, diesmal durch negative Gefühle, Lügen einer Frau ...
Aber: „I sent my woman packing, from know on I must be free“.
4. Reinemachfrau flotter, froher, befreiender Gesang und Rhythmus, schöne Breaks mit Wiederaufnahme des Themas mal durch eine schöne Pinaosequenz, mal durch feine Gitarrenlicks:
Es gibt eine Frau wieder, doch nun ist es umgekehrt: Sie ist jetzt unsicher, ob sie zur Reinemachfrau wird ... driving, wunderbar ...
5. Suzanne wunderbare Ballade vom Verlassen einer Frau, melancholisch-traurig („Don’t ask me how I can stand all the pain“), aber auch kraftvoll, mit einem herrlichen, orgel-getragenen Gitarren-Solo am Ende ...
6. Als wiederum Kontrast zum Vorgänger folgt ein Shuffle (ist das wirklich ein Shuffle?): Salt in my coffe ... harte, schnelle Gitarren-Soli und trotzdem Pain again: Wie umgehen mit offenem Verletzen, Ausnützen von Gefühlen? ...
7. Nordisch-kühl, düster-traurig-hoffnungslos kommt dieses Liedchen daher, das Lied eines Verlassenen und Orientierungslosen: Can’t see the end ... was für eine lyrisch-sentimentael Melodie, kindhaft - vor allem durch die Gitarre, wie ergreifend.
" I fell the sun but freeze insight
A clear blue sky is what I see
But feel the rain pour down on me
And I can’t see the end.”
8. Nochmal die melancholische Klage eines Verlassenen, diesmal bitter-süßlich gefärbt: The rain is pouring down on me … wunderbare Gitarren- und Pianobegleitung zu eindringlich-sentimentalem Gesang ... für mich: große Kunst!
9. Wieder der Wechsel (wie im Leben), diesmal zu einer Art Hilbilly-Song Farewell-Blues und einer ersten Konklusion der Pain-Erfahrungen durch einen im Schmerz wahrhaft Standhaften und Authentischen ... gute Zeiten, schlechte Zeiten: „... all in all that’s what life is“.
10. Pain again: diesmal ein kleines charmantes Akustikgitarren-Thema: Trauer über Trauer über und Mitleid mit einer Frau, die (wieder) Gefühle ausnützt, verletzt, daraus selbst kurzzeitig Stärke zieht, letztlich sich aber selbst zerstört (oder wegen dieses Tuns schon zerstört ist) ... Faith is dying ... filigran, anrührende Stimmung voller Klagen, aber auch Zärtlichkeit ...
11. Ein straighter Rocker ... "You think you can separate the truth from a lie ...You think you can?”
12. Ein herrlich locker-flotter Rocker folgt mit Kilkenny Nights: was für eine schöne Erinnerung an Irland und ein Rory-Review, nicht ganz ohne Pain hier zu Beginn(Zweifel) und Erfolg am Ende. (Spätestens mit dieser Stück kann man die Zweifel aber nun wirklich ganz auf die Hinterplätze verweisen, lieber Volhard Schuster!)
13. I need you: grandioses Intro, ähnlich einem mittelalterlichen Lauten-Solo, aus dem ein treibender Rocksong wird ... auch hier Pain, aber auch der Ausweg: Verlassen werden, Lüge, Schmerz gilt es zu überwinden.
14. In selbigem Tenor und ähnlich rockigem Stil „You treat me like you did“: wieder über Manipulationen (im Show Business, durch angebliche Freunde?) ... aber auch Überwindung und Abkehr ...
15. Boogie-Time: Gismo ... kleine Gaukler, lügende Leichtgewichte, fehlende Integrität und das Vergessen und die Bedeutungslosihgkeit solcher Leute: herrlich treibend ... positiver Abschluß eines virtuosen Albums.

Was bleibt von meiner Seite aus noch zu sagen?
Dies ist ein virtuoses und brillantes Album, sowohl musikalisch als auch thematisch-text-lich. Die Stücke im einzelnen wie das Album als ganzes weisen große Stimmigkeit auf, und ich glaube, nicht zu übertreiben, wenn ich anfüge, verfügt über eine innere Dramaturgie, die der Werke der großen Singer/Songwriter in nichts nachstehen.
Salute, Volkhard Schuster!
Bleibt zu hoffen, dass dieses große Talent weiterhin Möglichkeiten hat, sich so wunderbar zu entfalten. Zweifel daran jedenfalls, verbieten sich!
Viele Grüße
Euer Jörg Hatzmann
Kurzbeschreibung
Mit der CD PAIN präsentiert Volkhard Schuster, Gitarrist und Sänger der Bluesrock und Rory Gallagher Tribute Band The Loop, sein erstes Solo-Album. Das Thema Schmerz zieht sich wie ein roter Faden durch die 15 Eigenkompositionen von Volkhard Schuster. Der Schmerz der Trennung, des Verlustes, des Nicht-Wissen-Könnens, des Zweifels, der Unsicherheit, der Verletzlichkeit, der Trauer, des Heimwehs, der Suche ... Auch in den scheinbar fröhlichen, ironischen Songs wird stets der Schmerz sichtbar. Volkhard Schuster hat seine Wurzeln im Blues. Aber er bleibt nicht bei dem bekannten 12-Taktschema stehen. Er geht darüber hinaus. Vermischt es mit Elementen aus Rock, Folk, und Country. Sei es in der Besetzung mit Schlagzeug, Keyboard, Bass und Gitarre oder nur Gitarre und Keyboard oder dass er sich alleine auf der akustischen Gitarre begleitet, wie bei dem folkigen Faith is dying. Das 36-seitige Booklet stammt von Christian Reinhard, der auch das Booklet der CD Had a good time von The Loop gestaltete. Volkhard Schuster spielte die Songs mit den Kasseler Musikern Udo Krüger (keyb), Christian Svenson (dr) und Rolf Denecke (b) ein.
Hier ist Volkhard Schuster beim 6.Rory Gallagher Review mit Bad Penny zusehen!!