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Gerry Mc Avoy

"On The Road -
Mein Leben mit Rory Gallagher und

Nine Below Zero"

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Hier könnt´ Ihr schon einige Auszüge/Leseproben aus der Ende März erscheinenden deutschen Übersetzung von Gerry McAvoy´s Buch "Riding Shotgun" lesen ...

".. Ich möchte so lange Erfolg haben wie Muddy Waters. Ich bewundere Leute, die nicht einfach nur aufs schnelle Geld aus sind. Sie sind im Grunde Folkmusiker, die auf elektrisch verstärkten Instrumenten spielen – und das ihr ganzes Leben lang. Und ich möchte wetten, dass Muddy am Tag vor seinem Tod immer noch sauer darüber war, dass er nicht wusste, was es mit diesem ganzen Mysterium auf sich hatte. Wenn man eine Sache nicht beim Namen nennen kann, dann ist sie so richtig gut.

Rory Gallagher

Juli 1984 ..."

"... 1. Kapitel: Cradle Rock

Es scheint nur angemessen, dass ein Mann, der das Rätsel mit Namen Rory Gallagher entschlüsseln will, in eine Familie aus Privatdetektiven hinein geboren wird – und genau das geschah am 19. Dezember 1951 im Belfaster Mater Hospital. Mein Großvater Dan McAvoy gründete eine der ersten Privatdetekteien in Belfast, für die schließlich auch mein Vater Sean tätig wurde, nachdem er zuvor Milch und Brot ausgefahren und als Fototechniker gearbeitet hatte. Es war nicht annähernd so glamourös wie es klingen mag – vor allem gab es die üblichen schmutzigen Scheidungsfälle. Doch ich kann mich daran erinnern, dass mein Vater in einem Entführungsfall recherchierte, der sich in Liverpool zugetragen hatte. Ich war damals acht oder neun und fand das alles sehr aufregend. Aber aus nachvollziehbaren Gründen wurde ich nie wirklich in irgendwelche Details seiner Arbeit eingeweiht.

Meine Mutter Sarah zog nicht nur uns Kinder groß, sondern hatte fast ihr ganzes Leben lang immer irgendwelche Jobs, unter anderem leitete sie eine Wäscherei. Meine Eltern waren beide katholisch, mein Vater war politisch sehr stark motiviert, ein überzeugter Republikaner, der – wie ich später herausfand – in den 40er Jahren Mitglied der Irish Republican Army, der IRA, war und mit deren Geheimdienst zu tun hatte. Auch bei meinem Großvater gab es Verbindungen zur IRA. Meine Schwester Collette und ich kamen während eines Familienurlaubs in Cork dahinter, als wir auffallend viel Zeit damit verbrachten, Orte zu besuchen, die mit dem Republikanerführer Michael Collins in Zusammenhang standen – der Pub, in dem er sein letztes Pint trank, der Ort, an dem er erschossen wurde, und so weiter. Ich wollte wissen, was los ist, und meine Mum sah meinen Dad an und fragte: „Wird es nicht Zeit, dass du es ihnen sagst?“ Dann wandte sie sich uns zu und erklärte: „Euer Dad war in den 40er Jahren in der IRA.“ Ich fand das damals unglaublich aufregend. Bis zu seinem Tod blieb Dad ein überzeugter Anhänger der IRA.

In einem Punkt war ich auf meinen Vater allerdings gar nicht stolz, und der betraf die Tatsache, dass er seine Position als Privatdetektiv ausnutzte, um meine Mutter zu hintergehen, oft ausgerechnet mit den Ehefrauen jener untreuen Männer, die er beschatten sollte. Einmal war ich mit ein paar Freunden im Stadtzentrum von Belfast unterwegs, als wir um eine Ecke kamen und den Wagen meines Vaters entdeckten. Mein Dad saß mit einer drallen Blondine im geparkten Fahrzeug, wo sie ihm – na, sagen wir mal – bei seinen Recherchen behilflich war. Ich fühlte mich am Boden zerstört und gedemütigt, vor allem als der Ehemann dann auch noch bei uns zu Hause vor der Tür stand und darauf bestand, sich mit meinem Vater zu prügeln.

Soweit ich mich erinnern kann, schien meine Mum sein Verhalten einfach hinzunehmen. Begegnet waren sie sich Anfang der 40er Jahre während des Krieges. 1942 heirateten die beiden. Kurz nach der Heirat kam mein Vater nach England, wo er zusammen mit meinem Onkel Davy Giffen – er war mit Eileen verheiratet, der ältesten Schwester meines Vaters – ein eigenes Bauunternehmen gründete. Den Sitz hatte die Firma in Woodford im Norden von London. Die beiden holten sich irische Arbeiter, um eine Reihe von großen Projekten in Angriff zu nehmen, unter anderem die Renovierung des Hauses von Dorothy Paget, einer Dame aus der feinen Gesellschaft und Besitzerin eines erfolgreichen Rennpferds. Die beiden verdienten so viel Geld, dass mein Dad schon bald in der Lage war, sein eigenes Haus zu kaufen. Mein Großvater gewährte ihm dafür ein Darlehen, betrieb seine Detektei, war aber daneben auch noch ein wohlhabender Ladenbesitzer im Belfaster Bezirk Ardoyne. Das Haus, das ihm dabei vorschwebte, war ein großes, altes Bauwerk in South Woodford, das heute sicherlich ein Vermögen wert wäre. Als meine Schwester Collette 1946 zur Welt kam, versuchte mein Dad meine Mutter dazu zu überreden, dass sie dieses Haus kaufen sollten, damit sie mit dem Baby nachkommen und sie alle in London ein neues Leben beginnen konnten. Doch meine Mutter weigerte sich, ihre eigene Mutter zurückzulassen. Ein anderer Onkel von mir, Dick Storr – er war mit der anderen älteren Schwester meines Vaters verheiratet –, bedrängte meinen Vater, er solle meine Mum verlassen und in England leben, doch das wollte er nicht. Widerwillig kehrte er nach Belfast zurück und kaufte für £ 500 ein Haus in Ardoyne. Mein Glück, sonst hätte es mich nie gegeben.

Doch das Einlenken meines Vaters sorgte für wachsende Spannungen zwischen meinen Eltern, da er das Gefühl hatte, meine Mutter würde ihn fortwährend zurückhalten. Einmal kaufte er ein Grundstück in Ligoneil, um dort für uns ein neues Haus zu bauen. Doch als er meiner Mutter das Grundstück zeigte, rümpfte die nur die Nase und erklärte: „Das ist ja alles nur Morast und Dreck.“ Mehr Interesse an seinem Vorhaben zeigte sie nicht. Er war durch ihr Verhalten so desillusioniert, dass er eine Weile irgendwelche Gelegenheitsjobs annahm und schließlich bei der Detektei meines Großvaters einstieg, womit dann auch seine Techtelmechtel mit anderen Frauen begannen.

Großvater McAvoy und seine Frau Alice waren beide extrem religiös, auch wenn ihn das nicht davon abhalten konnte, sich für die republikanische Bewegung einzusetzen. Nachdem der Vertrag von 1921 unterzeichnet worden war, durch den die sechs Countys an Großbritannien zurückgegeben wurden, engagierte er sich so wie viele andere katholische Iren noch stärker für den Kampf gegen die Briten. Unter der Spüle versteckte er eine deutsche Luger, und als eines Nachts die britische Army kam und das Haus nach Waffen durchsuchte, übersahen sie die Luger wie durch ein Wunder.

Neben der Begeisterung für die Republikaner war es die Musik, der viele in meiner Familie zugetan waren. Mein anderer Großvater James Toal arbeitete in einer Flachsmühle in Belfast, aber er war auch ein semiprofessioneller Mandolinenspieler, der in den 20er und 30er Jahren durch Irland reiste und in Pubs und Clubs auftrat. Meine Mum liebte das Singen. Und mein Dad spielte gern mit ein paar Musikerfreunden in den Pubs von Belfast, um sich etwas Geld für ein paar Bier zu verdienen. Seine wahre Leidenschaft war aber das Snookerspiel. Er war ein wirklich guter Spieler und konnte sich rühmen, dass er tatsächlich den größten irischen Snooker-Champion, Alex Higgins, Ende der 60er Jahre besiegte. Er beteuerte immer, Higgins schulde ihm noch ein Pfund Wetteinsatz aus dieser Partie. Als ich vor Kurzem wieder in Belfast war, saß Higgins in der gleichen Hotelbar wie ich und trank etwas. Am liebsten wäre ich hingegangen, um ihn auf das Pfund anzusprechen, aber letztlich fand ich nicht den Mut dazu!

Meine früheste Kindheit war ereignislos, aber ich habe sie als eine glückliche Zeit in Erinnerung. Ich besuchte in einer unerschütterlich republikanischen Ecke von Ardoyne die dortige Holy Cross Primary School. Die modernisierte Schule gelangte 2001 zu trauriger Berühmtheit, als die katholischen Kinder gezwungen waren, ein Spießrutenlaufen durch Reihen von protestantischen Eltern über sich ergehen zu lassen, um ins Gebäude zu gelangen. Schon Anfang der 60er Jahre war mein Vater besorgt, was unsere Sicherheit in Ardoyne anging. Der nächste Park lag mitten in einem protestantischen Gebiet, das man durchqueren musste, wenn man zum Spielplatz wollte. Unsere Eltern warnten uns, wir sollten dort nicht hingehen, aber keiner von uns nahm diese Warnungen ernst. Schließlich entschied mein Dad, ein Haus in einem viel schöneren Viertel am Rand von Belfast zu kaufen, das aber ironischerweise auch mitten in einem protestantischen Bezirk lag. Die meisten meiner Freunde wurden Protestanten, aber mir war das ziemlich egal. Immerhin war Belfast zu der Zeit noch ein recht friedlicher Ort ... "

"... 5. Kapitel: Out on the Western Plain

Die erste US-Tour der Rory Gallagher Band wurde von ATCO organisiert, dem US-Ableger von Polydor. In Wahrheit fanden die Auftritte in einem sehr bescheidenden Rahmen statt, gerade mal drei Wochen vorwiegend in Bars und Clubs vor recht kleinem Publikum. Das Ganze war sogar so überschaubar, dass ein großer Teil unseres Equipments als Gepäck befördert wurde – Gitarren, Verstärker und Schlagzeug eingeschlossen. Weiß Gott, wie wir damit durchkommen konnten.

Aber auch das war mir vollkommen egal! Als wir am Tag unseres ersten Gigs im Whiskey A Go Go nach Los Angeles flogen, war ich hin und weg. Ich dachte, das ist es. Ich hab's geschafft! Mit 19 Jahren! Überall große Autos. Wolkenkratzer. Ich konnte es kaum glauben. Unser Hotel war das Hyatt House auf dem Sunset Boulevard, und auf dem Weg dorthin fuhren wir den Sunset Strip entlang. Als Kind war ich ein riesiger Fan von 77 Sunset Strip gewesen, und jetzt waren wir hier! Da war Dino's Bar & Grill mit dem Büro gleich daneben. Dann fuhren wir am Whisky A Go Go vorbei, wo wir fünf Abende in Folge auftreten würden. In großen Lettern stand dort: „Heute Abend: Rory Gallagher plus Little Feat!“

Jesus! Little Feat! Rory und ich waren große Fans von Little Feat. Ich wunderte mich, dass sie unsere Vorgruppe sein sollten. Rory hatte zu der Zeit in Amerika eine recht große Fangemeinde, aber das war doch völlig verrückt. Ich war froh, als sich später herausstellte, dass Little Feat keineswegs unsere Vorgruppe sein würden. Stattdessen spielte die neue Band, die Carmine Appice nach der Auflösung von Vanilla Fudge gegründet hatte. Aber selbst das war noch ziemlich beängstigend.

Der erste Abend, es war glaube ich ein Mittwoch, war eine herbe Enttäuschung. Wir spielten drei Sets vor knapp 20 Leuten. Am nächsten Abend kamen immerhin schon 70 Leute zusammen, und am letzten Abend, ein Sonntag, war der Laden so brechend voll, dass man sich nicht mehr von der Stelle rühren konnte. Und das war fast ausschließlich Mundpropaganda zu verdanken. Es gab aber auch ein wenig Werbung im Radio. Rory war immer für Radiointerviews zu haben, um für die Band zu werben. Das machte er überraschend gut, wenn man überlegte, wie schüchtern er sonst war. Ich glaube, das hat zu einem großen Teil stets seinen Reiz ausgemacht. Er kam immer so bescheiden rüber, dass es die Menschen faszinierte und sie deshalb beschlossen, sich die Band anzusehen. Rory wollte ausschließlich für sein Publikum spielen und war bereit, alles zu tun, damit der Saal voll wurde.

Von L. A. ging es per Flugzeug nach Washington D. C. – in einen Laden namens Emergency Club. Wieder spielten wir vor nicht mal 20 Leuten. Ich erinnere mich noch so gut daran, weil es der erste Abend war, an dem ich erlebte, wie Rory sich über seinen Schlagzeuger ärgerte. Wir spielten 'I Fall Apart'. Mitten im Song wechselte Wilgar plötzlich auf der Snare Drum in einen Rhythmus für eine Dudelsackkapelle, was Rory hasste. Seine ganze Karriere hindurch hat Rory stets den Schlagzeugern das Leben zur Hölle gemacht. Ich glaube, er verlangte einfach zu viel von ihnen, weil er wusste, wie wichtig sie für eine Band waren, lieferten sie doch das Rückgrat für den Sound. Er war ein großer Fan der Beat-Schlagzeuger aus den 60er Jahren, vor allem Tony Newman von Sounds Incorporated, und er wollte, dass seine Schlagzeuger diesen Sound hinbekamen, was aber nicht immer möglich war. Man kann das nur schwer erklären. Ted McKenna beispielsweise war einer der lautesten Schlagzeuger in Europa, aber manchmal spielte er für Rory einfach nicht energisch genug. Er wollte immer noch mehr.

Was mir von dem Abend im Emergency Club noch im Gedächtnis geblieben ist, war ein Gespräch mit dem DJ, der uns ein paar Stücke von Roy Buchanan vorspielte, einer lokalen Gitarrengröße. Seinen Namen hörten wir zum ersten Mal und waren von seinem Stil restlos begeistert. Auf einmal kam Roy in den Club und sah sich unseren Auftritt an. Nach der Show hörten fuhren wir dann zu ihm nach Hause.

Von Washington flogen wir weiter nach New York und spielten an vier Abenden als Vorgruppe von Buddy Miles's Express in der New York City Hall – vor einem Publikum, das zu 90 Prozent aus Schwarzen bestand. Für drei weiße Iren, die auf der Bühne standen und ihre Musik genau den Leuten vorspielen mussten, die sie eigentlich erfunden hatten, war das ein wenig nervenaufreibend. Als wir auf die Bühne gingen, standen wir einem Publikum aus 700 Typen gegenüber, die alle genauso aussahen wie Huggy Bear aus Starsky and Hutch – Schlaghosen, Afro-Frisuren und Plateauschuhe. Ich will nicht behaupten, dass wir das ganz hervorragend hinter uns brachten, aber wir kämpften uns durch. Es war nicht sehr geschickt gewesen, uns als Vorgruppe zu buchen, doch wir überlebten es.

Als Nächstes wartete ein Auftritt als Vorgruppe von Frank Zappa in Milwaukee auf uns. Es war für mich eine unglaublich tolle Zeit, als Musiker mit all diesen Leuten spielen zu können. Ich lernte in kurzer Zeit so viel. Vor allem von der Buddy Miles' Band, die grandios waren. Und Frank Zappa mit Flo und Eddie und mit Aynsley Dunbar am Schlagzeug. Einfach phantastisch! Was für eine Lektion für mich. Es waren so viele Eindrücke, dass ich Schwierigkeiten hatte, alles in mich aufzunehmen. Wir spürten die Begeisterung überall, wo wir hinkamen, und hatten das Gefühl, dass der ganz große Erfolg zum Greifen nah war. Rory spürte das auch, und jeder von uns wusste, dass wir dicht vor einer möglicherweise riesigen Sache standen ..."

... das macht doch LUST AUF MEHR!!!!


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