Gitarre & Bass - Das Musiker-Fachmagazin
Ausgabe: Mai 2004

Unter der Rubrik "transkription" auf Seite 156 berichtet
Gitarre & Bass:
Klassiker: Rory Gallagher und Gerry McAvoy:
Messin´ With The Kid

Der WDR-Rockpalast war unter den Rock-Fans schon eine Institution, nachdem der Redaktion mit der ersten Rockpalast-Nacht ein ganz großer Wurf gelang. In der Essener Grugahalle traten nacheinander Rory Gallagher, Little Feat und Roger McGuinns Thunderbyrds auf. Die restlos ausverkaufte Show lief die ganze Nacht im ersten Programm der ARD und wurde per Eurovision in viele Ländern Europas übertragen. Um das nächtliche Rock-Spektakel herum wurden Parties organisiert, in denen sich alles um das Fernseh-Programm drehte. Das war damals nicht selbstverständlich, Privatfernsehen und Musikkanäle gab es genau so wenig wie Stereo-Fernseher.

So erklärt sich auch, dass die jetzt erschienene DVD Rory Gallagher At Rockpalast - mono daherkommt, dafür hat sie geballte 222 Minuten Rock-Musik an Bord, die während drei verschiedener Shows von 1976 bis 1979 mitgeschnitten wurden.

Im Zentrum steht natürlich der legendäre Gig, mit dem Rory und seine Band die lange Nacht in der Grugahalle eröffneten. Gallagher hatte am Tag zuvor auf dem Festival in Montreux bis spät in die Nacht hinein gejammt und sich dabei seine Finger böse ramponiert. Und nach einer Ansage kam die Band, bestehend aus dem Bassisten Gerry McAvoy, dem Drummer Rod De´Ath und dem Keyboarder Lou Martin, auf die Bühne. An einen kurzen Check der Instrumente und Amps schloss sich der Opener des Sets Messin´ With The Kid an ...

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Rory spielte den Blues-Standard live sehr häufig. Das Stück ist in dieser Version auf der DVD zum ersten Mal in bewegten Bildern zu sehen, 1977 wurde es nur im Radio übertragen. Bemerkenswert an der Performance der Band ist, dass die Energie vom ersten Takt an stimmt, hier zahlte sich wohl das exzessive Touren aus.
Für diesen Workshop habe ich drei Chorusse des Gitarrensolos ausgewählt, die dramatisch sehr interessant sind.
Zum Beispiel 1a findest du die Gitarren Transkription. Rory spielte natürlich seine Trademark-Setup, eine uralte Sunburst-Strat, deren Signal über einen Booster verstärkt wurde und dann über die vier Zehnzöller eines antiken Fender-Bassman-Combos die Bühne beschallte.
Im ersten Chorus begegnen wir einer von Rory Spezialitäten. Die sogenannten "Pinch Harmonics" sind schneidende Obertöne, die entstehen, wenn die Saite gleichzeitig mit dem Plektrum und dem Fingernagel des Mittelfingers angeschlagen werden. "Pinch" ist das englische Wort für "quetschen, quälen, zwicken, einklemmen", und alle Verben beschreiben den Charakter der so erzeugten Töne ziemlich treffen. ZZ-Top-Gitarrist Billy Gibbons bedient sich dieses Tricks ebenfalls sehr ausgiebig, und auch bei John Scofield sind die schrägen Töne häufig zu hören.

Im zweiten Chorus geht die Band dynamisch ziemlich weit runter. Rory spielt überwiegend Achtel-Motive, die durch das starke Abdämpfen mit dem Handballen einen sehr perkussiven Charakter erhalten. Im dritten Chorus werden die Linien durch Sechzehntel-Rhythmik dichter, die Band wird lauter und erreicht über Rorys Flageolett-Akkord in Takt 33, der durch heftiges Vibrato mit dem Hebel bearbeitet wird (Anmerkung von www.rorysfriends.de: Hier ist der Redaktion wohl ein kleiner Fehler unterlaufen, Rory hat nie mit einem Tremolo-Hebel gearbeitet, sondern Rory erzielte den Effekt dadurch, dass er den Gitarren-Korpus an seinen Körper presste und den Hals bewegte, was einige Male dazu führte, dass Rory den Hals seiner Strat erneuern musste!), und ein ausklingendes A7-Arpeggio in Takt 34, einen dramatischen Höhepunkt in den zwei Bendings von Takt 35 und 36. So erzeugt man Spannung!

Beispiel 1b zeigt Gerry McAvoys kompletten Bass-Part, der ebenfalls nicht ohne ist. Gerry spielt nur für die Band, seine Sechzehntel-Licks im dritten Chorus (bei immerhin 176 bpm) sind kein Selbstzweck, sie unterstützen vielmehr die von Rory vorgegebene nach oben zielende Spannungskurve perfekt. Gerry schlägt seinen Telecaster-Bass übrigens mit dem Plektrum an.

Wie könnte ich schließen, ohne wieder einmal auf unser umfangreiches Angebot an MIDI-Files hinzuweisen, die unter www.gitarreundbass.de auf dem Download warten. Email bitte an wkehle@t-online.de