

KStA - Nr. 187 - 39

Loderndes Bluesfeuer
Rory Gallagher bewies seine Gitarrenkunst im E-Werk
Von Martin Woltersdorf
In kaum einem andere Metier wird leichtfertiger mit Superlativen umgegangen als in der Popmusik; werden Musiker in Windeseile zu Idolen oder gar Heroen. Der Rock-Gitarrist Rory Gallagher hat es erlebt. In den 60er Jahren verglich man den gebürtigen Iren mit Jimi Hendrix - leider Gottes. Und sein Trio "Taste" wurde im gleichen Atemzug mit den erfolgreichen Drei von "Cream" genannt. So blieb nicht aus, daß Gallagher abhob und immer öfter den Egonzentriker mimte.
Vergessen, vorbei. Nach wie vor ist der Bluesfan ein beachtlicher Saitentechniker, der es versteht, über ein Thema ausschweifend zu improvisieren, ohne gleich klischeehaft Phrasen zu bemühen. Und nach wie vor scheint dies nicht nur Altfans zu interessieren: Im E-Werk lauschten weit über 2000 Zuschauer seiner Kunst. Es war in jeder Beziehung ein schweißtreibender Abend. Rory unterstrich einmal mehr, daß nur solides Handwerk die Basis für artifizielle Spielzüge sein kann. In einer Zeit, in der Altstars ikonenhaft die Popbranche regieren, sollte auch für ihn ein Plätzchen in Ehren vorhanden sein. äußerlich hat der einstige Hänfling gut zugelegt. Innerlich freilich lodert wie ehedem ein Bluesfeuer, das Gallagher kräftig schürte. Begleitet von Baß, Schlagzeug, Keyboard und Mundharmonika griff er in die Repertoirekiste berühmter Bluesbarden - Muddy Waters oder John Lee Hooker etwa. Oder Robert Johnson, dem er auf der halbakustischen Klampfe einen Gruß sandte: "Amazing Grace" als Intro und Dylans "Don´t Think Twice, It´s Allright" als Anhang.
Wer die Stücke nach überlieferter Sitte genießen möchte - Vorspiel, Thema, Improvisation und Schlußpunkt -, dem mußte Rory Gallagher wie ein Meister der alten Schule vorkommen. Gesanglich jedoch waren Abstriche zu machen: die Stimme schien heiser.
Wir haben diesen Artikel von Rudi Gerlach zur Verfügung gestellt bekommen. Herzlichen Dank, Rudi!