
Kölnische Rundschau
vom 13.08.1994

Gitarrist Rory Gallagher begeisterte die Fans im Kölner E-Werk
Blauer Dunst und Blues
von Alexander Meyer-Köring
Köln. Ein paar Verbeugungen, kurz und innig, die Gitarre eingestöpselt, den Sound in aller Ruhe eingestellt und schon sind alle Vorbereitungen für den Abend getroffen. "Okay, let´s work", stimmt Rory Gallagher seine vier Musiker ein. Das Blues´n Boogie-Bombardement kann beginnen.
Rund 2000 Zuschauer drängten sich im nahezu ausverkauften E-Werk bis an den Bühnenrand. Doch stickige Luft, blauer Dunst, verschwitzte Baumwollhemden und ein von Bier verklebter Boden wollen sich so gut in das Bild einfügen, das man von dem irischen Blues-Gitarristen Gallagher kennt. Eine Atmosphäre, in der sich der 45jährige Musiker sichtlich wohlfühlt, die seiner rauhen unprätentiosen, aber herzlichen Art so entgegenkommt.
"Continental Op" und "Moonchild" sind die ersten Stücke; Gallagher und Band klingen wie vor 20 Jahren, die Zeit scheint an dem Eigenbrödler spurlos vorübergegangen zu sein: Blues in seiner reinsten Form, mit langen improvisierten Soli und im strengen Zwölftakt-Schema, lädt zum Lauschen ein. Rory Gallagher entlockt seiner alten Fender-Gitarre Klanggebilde, die dem Wehklagen eines ewig Gejagten nahekommen. Der Ire windet sich im Weltschmerz, er kommentiert jeden gespielten Gitarrenton mit einer Grimasse - nie komisch, immer ehrlich.
Wenn Gallagher zur Akustikgitarre greift, wird es still im Raum: Allein auf der Bühne und in schlichtes Scheinwerferlicht gehüllt, wird der Blues-Rocker zum Barden, der mit keltisch angehauchten Melodien auf den Spuren des Irish-Folk wandelt. Dennoch: Die Höhepunkte seiner Kunst sind die Soli. Jenseits aller Trends hat sich der Mann aus Cork über die Jahre die Zeit genommen, sein Spiel immer weiter auszufeilen, seinem Stil das Prädikat "unverwechselbar" zu geben. Da verzeiht es der Fan, daß sich der Meister mit seinen Studioproduktionen - die ohnehin Gallaghers Kunst nicht ausreichend konservieren - viel Zeit läßt: Die Veröffentlichung des letzten Albums ("Fresh Evidence") liegt inzwischen vier Jahre zurück.
Erst wenn Gallagher die Begeisterung seiner Zuhörer erfährt und reagieren kann, durchlebt er die stärksten Momente. Nach gut zwei Stunden verabschiedet er sich von seinen jubelnden Fans. Gallagher hat es in seinem Alter, in dem ihn schon viele als abdankenden "Rock-Opa" betrachten, noch einmal alles gezeigt.
Wir haben diesen Artikel von Rudi Gerlach zur Verfügung gestellt bekommen. Herzlichen Dank, Rudi!