vom 13.09.2004

"Blues-Feeling lässt einen nicht los"

Fast 200 Fans erinnern an Rocklegende Rory Gallagher / Bärenherz-Spende

Bildunterschrift: "Remember Rory"-Bandmitglieder Stefan Kugler (links) und Peter Knott sorgten für einen fulminanten Konzert-Auftakt. RMB/Kubenka Vom 13.09.2004

Von Kurier-Mitarbeiterin: Alexandra Lenz

WIESBADEN Er hat den Blues gelebt - heute, neun Jahre nach seinem Tod, lebt er in seiner Musik weiter: der irische Bluesrock-Gitarrist Rory Gallagher. Fans aus ganz Europa zog es zum dritten Rory Gallagher-Tribute-Konzert in den Wiesbadener Kulturpalast, wo zwei exklusive Live-Bands irisches Flair versprühten.

Kurz nach 19 Uhr im Backstage-Bereich: Dave Burns und Steve Richardson von der englischen Band "Sinnerboy" lehnen sich gelassen in ihren Stühlen zurück. Das sei ihr erster Auftritt in Deutschland, erzählt Richardson, der Schlagzeuger der Band aus Manchester. Dabei touren "Sinnerboy", die als erste Band weltweit ein Gallagher-Tribute spielten, längst durch aller Herren Länder: Spanien, Frankreich, Irland und bald Amerika. Doch gerade Wiesbaden sei etwas Besonderes - denn die Stadt verbindet mit Gallagher ein legendäres Konzert aus dem Jahr 1979. Es ist bis heute unvergessen: "Weltweit kennen Fans Wiesbaden deswegen", meint auch der Initiator des Konzerts und langjährigeGallagher-Fan Karl-Heinz Bilstein.

Etwa 180 Fans sind es an diesem Abend, die auf dem "geheiligten Boden" ihr Idol feiern. Zudem war der Bruder des Rocksängers, Donald Gallagher, aus Irland gekommen. Aus Berlin und Hamburg, Österreich, Holland und Belgien sind manche angereist. "Der älteste Fan ist eine 85-jährige Dame aus Holland, der jüngste mein Sohn Simon mit acht Jahren", erzählt Sabine Biringer, Mitorganisatorin und Lebensgefährtin von Bilstein.

Also unabhängig von Alter oder Nationalität: Wen der "Meister des Bluesrock" einmal in seinen Bann gezogen hat, für den scheint es kein Entkommen mehr zu geben. "Das Blues-Feeling lässt einen nicht mehr los", weiß auch Ramona Sourissean. Mit der Musik aufgewachsen ist auch Dirk Eis: "Gallagher hat den Blues einfach genial interpretiert", schwärmt der Eppsteiner.

Mit Hits wie "Tatood Lady" und "Shadow Play" liefern die drei Rocker der Nürnberger Band "Remember Rory" unterdessen den fulminanten Auftakt des Konzerts. Zwischen den Songs kommen auf einer Leinwand hinter der Bühne berühmte Musiker und auch Gallagher selbst zu Wort. "Es soll der Eindruck entstehen, als sei Rory zumindest heute abend noch unter uns", erklärt Bilstein.

Er ist an diesem Abend nicht der einzige, der ein wenig den Blues hat. Rund um die Theke im Kulturpalast ermöglicht es die Ausstellung von Fotos, Presseartikeln und Kostbarkeiten wie einer Gitarre, auf der Gallagher von 1990 bis 1995 gespielt hat, die wichtigsten Stationen der Musiker-Karriere Revue passieren zu lassen.

Dass später einige Rocker in Lederkluft mit kleinen Plüsch-Bären "kuscheln", hat indessen andere Gründe: Alle Einnahmen der Veranstaltung gehen als Spende an das Wiesbadener Kinderhospiz Bärenherz, das mit einem Stand über die Initiative für schwerkranke Kinder informierte. Mit dem Kauf eines Teddies für den symbolischen Preis von einem Euro unterstützten viele Besucher die Aktion im Laufe des Abends zusätzlich. "Wir freuen uns sehr über die Unterstützung", lobte Gabriele Orth von Bärenherz das Engagement von Veranstaltern, Bands und Besuchern. Bis zum Ende der Veranstaltung kamen nach ersten Hochrechnungen zwischen 1500 und 2000 Euro zusammen.