Artikel im Wiesbadener Kurier, Ausgabe Nr. 226/59.
Jahrgang vom 29. September 2003

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Aus der Gallagher-Schatzkammer

Hommage an den 1995 verstorbenen Bluesrock-Gitarristen Rory Gallagher mit Filmpremiere in der Leibnizschule. RMB/Kubenka

Auch wenn er bereits vor acht Jahren gestorben ist - in den Herzen seiner Fans lebt Rory Gallagher weiter. Einer seiner treuesten Anhänger ist Karl-Heinz Bilstein, Hausmeister der Leibnizschule, der dort einen Rory-Gallagher Gedächtnis-Abend inszeniert hat. Von Kurier-Mitarbeiterin Martina Meisl

Der 43-Jährige Wiesbadener hat die Karriere des irischen Bluesrock-Gitarristen seit seinem 14. Lebensjahr verfolgt und im Laufe der Jahre eine beachtliche Sammlung zusammengetragen. Am Samstag trafen sich 80 Fans aus ganz Deutschland im Clubkino der Leibnizschule zum "Rory Gallagher Review". Dieses "weltweit einzigartige" Event haben Bilstein und seine Lebensgefährtin Sabine Biringer gemeinsam mit dem Wiesbadener Filmkreis und dem Filmclub der Leibnizschule auf die Beine gestellt: "Wir wollen damit das Andenken an Rory lebendig erhalten."

Unter anderem wurden zwei Filmdokumentationen gezeigt, von denen eine eigens für diesen Abend zusammengestellt wurde. Rares Material aus Bilsteins Schatzkammer, von Rainer Drews professionell geschnitten. Der Vorsitzende des Wiesbadener Filmkreises und Lehrer an der Leibnizschule hat dafür viele Nächte im Schneideraum zugebracht. "Bei diesem Review gibt es selbst für eingefleischte Fans noch Aha-Effekte", freut sich Karl-Heinz Bilstein. Peter Knott und Stefan Kugler von der Band "Remember-Rory" aus Nürnberg brachten die leicht angejahrten Gallagher Fans mit live gespielten Stü¼cken ihres Idols in nostalgische Stimmung.

Ergänzt wurde die multimediale Veranstaltung durch eine Ausstellung aus Bilsteins privater Sammlung. Die Exponate zeugen von seiner Liebe zu Rory Gallagher und dessen Heimat Irland. Zweimal im Jahr reist der Wiesbadener Hausmeister auf die grüne Insel und wandelt dort auf den Spuren des Musikers. "Diese Ausstellung ist noch nie gezeigt worden", erklärt er mit Stolz. Fotos, Konzertkarten, Zeitungsausschnitte, T-Shirts, Platten-Cover und Plakate zeigen den Künstler in Aktion oder Orte, die in seinem Leben eine wichtige Rolle gespielt haben. Ein Artikel des Kurier aus dem Jahr 1979 berichtet von Gallaghers Auftritt in den Rhein-Main-Hallen: "Der Blueskönig verwandelte das Kaffeekränzchen in einen wahrhaftigen Rockpalast." Bilsteins wertvollste Devotionalien stehen hinter Glas in zwei Vitrinen, darunter ein Plektrum (zum Zupfen der Saiten), das einst der Meister selbst benutzte. Die Veranstaltung, erklärt Bilstein, wendet sich "gegen das Vergessen dieses brillanten Musikers". Immerhin sei Gallagher 1979 zum weltbesten Gitarristen gekürt worden, während sich Eric Clapton stets mit zweiten Plätzen habe begnügen müssen. Eine Tatsache, auf die Karl-Heinz Bilstein großen Wert legt: "Beim Isle of Wight Festival, der Antwort auf Woodstock, hat Claptons Band Cream im Vorprogramm von Gallaghers Gruppe Taste gespielt." Das sei aber nur den Wenigsten bekannt, bedauert er. Seine größte Zeit hatte der Bluesrocker in den Siebziger Jahren. "Er lebte für die Musik, stand 250 mal im Jahr auf der Bühne." Doch nicht nur sein Bühnenleben war exzessiv. Zuviel Whisky und Medikamente machten schließlich 1995 eine Lebertransplantation erforderlich. Daraus entstandene Komplikationen überlebte der damals 47-Jährige nicht. Mit 80 Besuchern war das "Rory Gallagher Review" in der Leibnizschule komplett ausverkauft. Der Reinerlös aus den Eintrittsgeldern sowie der Verlosung von Fan-Artikeln geht als Spende an das Kinderheim Landgräfliche Stiftung Bad Homburg. Die Musiker von "Remember-Rory" spielten ebenfalls für den guten Zweck, "und natürlich für Rory", fügt Karl-Heinz Bilstein andächtig hinzu

Informationen über den Wiesbadener Gallagher-Fan-Club gibt es im Internet unter www.rorysfriends.de